Angehende Wachpolizisten erlernen in Kamenz das Schießen

Freistaat mietet Vereinsanlage an/Ab September auch Ausbildung für die PD Görlitz

Keine Extrawurst für den Minister: Auch Markus Ulbig muss beim Gästeschießen die Anweisungen von Schießleiter Benedikt Krainz befolgen.
Keine Extrawurst für den Minister: Auch Markus Ulbig muss beim Gästeschießen die Anweisungen von Schießleiter Benedikt Krainz befolgen.

Kamenz. Die Schützengesellschaft Kamenz hilft dem Freistaat Sachsen beim Sparen: Seit Mai absolvieren die angehenden Wachpolizisten einen Großteil ihrer Schießausbildung auf der vereinseigenen Anlage im Norden der Lessingstadt. Die Schaffung eigener, kostenintensiver Kapazitäten durch den Freistaat ist damit unnötig.

„Man muss nicht alles selber machen. Warum sollen wir nicht auf bereits vorhandene Möglichkeiten zurückgreifen?“, fragte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) eher rhetorisch, als er dem Schießstand der Schützengesellschaft Kamenz am vergangenen Montag einen Besuch abstattete. An diesem sonnigen Abend herrscht relative Ruhe, doch tagsüber hallen die Schussgeräusche serienweise durch den umliegenden Wald. „Unsere Bahn ist von montags bis freitags zwischen 8.00 und 14.00 Uhr komplett durch die Schießausbildung der Wachpolizisten ausgelastet“, erklärt der Präsident der Schützengesellschaft Kamenz, Dieter Raack. Dafür vermietet der Verein seine 2012 in Betrieb genommene und für diesen Zweck noch einmal ertüchtigte 50-Meter-Schießbahn an den Freistaat Sachsen. „Hier finden unsere angehenden Wachpolizisten und ihre Ausbilder optimale Bedingungen vor, und gegenüber der Errichtung einer eigenen Anlage sparen wir eine ganze Menge Geld“, freut sich der Innenminister.

Die Kamenzer Schützen und der Freistaat pflegen schon seit mehreren Jahren eine gute Zusammenarbeit, und die Nutzung der Vereinsanlage könnte man auch als „Nachbarschaftshilfe“ bezeichnen. Gleich nebenan befindet sich nämlich noch eine 25-Meter-Schießbahn, die dem Freistaat Sachsen gehört. „Früher haben wir diese Bahn angemietet, jetzt vermieten wir dem Freistaat unsere Anlage“, blickt Präsident Dieter Raack auf die erstaunliche Entwicklung zurück. Ursprünglich befand sich die gesamte Anlage in Landeseigentum; erst nach der komplizierten Klärung der Eigentumsverhältnisse konnte die Schützengesellschaft ihren heutigen „Teil“ erwerben und sukzessive ausbauen.

„Als uns der Freistaat Sachsen gebeten hat, ihn bei der Ausbildung der Wachpolizisten zu unterstützen, haben wir gern zugesagt“, versichert Dieter Raack. Schließlich handele es sich bei dieser Maßnahme um eine „notwendige Reaktion auf aktuelle politische Entwicklungen.“ Innenminister Markus Ulbig selbst sieht die Anmietung der Kamenzer Vereinsanlage als „Pilotprojekt“: „Wir wollen die sächsische Polizei in den kommenden Jahren um 1000 Mann aufstocken und dabei die vorhandene Infrastruktur der Vereine für die Ausbildung nutzen.“ Die Ausbildung der Wachpolizisten selbst, die an der Polizeischule in Bautzen erfolgt, sieht der Minister als Erfolgsgeschichte: „Die 47 Absolventen des ersten Durchgangs verrichten bereits ihren Dienst in den Polizeidirektionen Leipzig und Dresden, und die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Im aktuellen Durchgang werden zusätzlich Wachpolizisten für den Direktionsbereich Chemnitz ausgebildet, und ab dem Herbst ist dann auch die Direktion Görlitz an der Reihe.“ Ziel sei es, die Wachpolizisten bis 2020 in den regulären Polizeidienst zu übernehmen. Für Ausbildungsleiter Marco Rißland stellt die Schießausbildung den zentralen Bestandteil seiner Arbeit dar: „Die Anwärter üben jeden zweiten Tag auf der Schießbahn. Sie müssen den Umgang mit der Waffe absolut sicher beherrschen. Erst nachdem sie das nachgewiesen haben, werden sie zur Abschlussprüfung zugelassen.“

(erschienen in der Lausitzer Rundschau am 8.6., in den Dresdner Neuesten Nachrichten am 24.6. 2016)

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