Freistaat Sachsen baut die Bautzener Polizeischule aus

Das Fortbildungszentrum der sächsischen Polizei braucht mehr Platz. Ministerpräsident Stanislaw Tillich informierte sich am Dienstag über die Pläne.

Bautzen. Sarah Hofmann und Meike Leheis arbeiten hochkonzentriert. Während eine der beiden jungen Frauen in Polizeiuniform mit einem Pinsel über einen Fensterrahmen streicht, dokumentiert ihre Kollegin alles mit der Kamera. „Wir üben hier das Sichern von Spuren eines Einbruchs“, berichtet Sarah Hofmann. Die Spurensicherung bildet einen der wesentlichen Ausbildungsinhalte am Standort Bautzen der Sächsischen Polizeihochschule.

„Leider findet die Ausbildung unter sehr beengten räumlichen Bedingungen statt. Dies um so mehr angesichts der absehbar steigenden Studentenzahlen in den nächsten Jahren“, erklärt Rektor Harald Kogel. Wurden 2016 noch 100 Kommissarsanwärter eingestellt, so steigt diese Zahl 2017 auf 135 und 2018 sowie in den Folgejahren auf 150. Hinzu kommen jährlich 75 „Aufstiegsbeamte“ – erfahrene Polizisten im Rang eines Obermeisters, die in den gehobenen Dienst und somit in den Kommissarsrang aufsteigen wollen. Ihr erstes Studienjahr absolvieren die Anwärter in Bautzen, danach wechseln sie an den Standort Rothenburg/OL. Doch das ist nicht alles, finden doch in Bautzen auch die Fortbildungslehrgänge für bereits im Dienst befindliche Polizeibeamte statt. Alles in allem geht Harald Kogel von einer benötigten Kapazität von 150 Aus- und 125 Fortbildungsplätzen in Bautzen ab dem Studienjahr 2018/19 aus.

vorn v.l.: Landtagsabgeordneter Marko Schiemann (CDU), Rektor Harald Kogel, Ministerpräsident Stanislaw Tillich

„Wir wissen um die Notwendigkeit, die sächsische Polizei zu verstärken, und haben mit dem Doppelhaushalt 2017/18 die Weichen für die Erweiterung der Ausbildungsstätten gestellt“, so Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der sich am Dienstag in Bautzen über die derzeitigen Ausbildungsbedingungen und die geplanten Baumaßnahmen informierte. Diese sollen laut Norbert Seibt, Niederlassungsleiter des Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement (SIB) im zweiten Halbjahr 2018 beginnen. „In Bautzen verfügen wir im Gegensatz zu Rothenburg über Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Gelände. Das ist ein großer Vorteil“, betont er. So sehen die Planungen dann auch hauptsächlich Neubauten auf der großen zentralen Freifläche – dem früheren Sportplatz – vor. Hier soll ein neues Trainingszentrum mit Sporthalle, Raumschießanlage und „Handlungsräumen“ – also Räumlichkeiten, in denen die jungen Beamten bestimmte Einsatzszenarien üben können – entstehen.

„Gerade für das Schießtraining müssen wir derzeit weite Wege zurücklegen.“

Darüber hinaus sind hier eine neue Mensa und zusätzliche Unterkünfte vorgesehen. „Gerade für das Schießtraining müssen wir derzeit weite Wege zurücklegen. So nutzen wir unter anderem Anlagen in Kamenz, Dresden und Pirna, für das Schießtraining mit Langwaffen müssen wir sogar bis nach Heyda bei Riesa fahren“, berichtet Standortleiter Manfred Weißbach. Der Sportunterricht findet hauptsächlich in angemieteten Hallen in der Stadt statt, auf dem Gelände selbst gibt es lediglich eine kleine Judohalle. Für den neuen „Campus“ sind im Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen 2017/18 insgesamt 4,1 Millionen Euro veranschlagt.

v.l.n.r.: MP Tillich, Wachpolizist David Mieth, Schießtrainer Andreas Kintzel

Dieser bildet allerdings nur den ersten von zwei Bauabschnitten. Im zweiten Schritt soll das markante Eingangsgebäude saniert und als Fortbildungsstätte für die Polizeidirektion Görlitz sowie als Domizil für die Autobahnpolizei und die Kriminalaußenstelle hergerichtet werden. Bis 2022 soll laut Norbert Seibt die Gesamtmaßnahme abgeschlossen sein. „Wir wären froh, wenn es schneller gehen würde. Aufgrund des Umfangs muss die Maßnahme aber europaweit ausgeschrieben werden“, erläutert Ministerpräsident Tillich.

 

erschienen am 4. Mai 2017 in der Lausitzer Rundschau

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