Künftig fast nur noch Vollsperrungen im Straßenbau

Größere Mindestabstände gefordert/Autobahnbau geht auch 2016 weiter

(erschienen am 6.11. 2015 in der Lausitzer Rundschau)

Autofahrer müssen künftig bei Straßenbaustellen mit noch stärkeren Behinderungen rechnen als bisher. Viel häufiger als in der Vergangenheit wird es in Zukunft Vollsperrungen geben. Verantwortlich dafür ist eine neue Arbeitsschutz-Richtlinie, die mehr Sicherheit für die Bauarbeiter gewährleisten soll.

Halbseitige Sperrungen wird es aufgrund neuer Arbeitsschutzbestimmungen bei Straßenbaustellen künftig kaum noch geben.
Halbseitige Sperrungen wird es aufgrund neuer Arbeitsschutzbestimmungen bei Straßenbaustellen künftig kaum noch geben.

Region. Straßenbaustellen mit halbseitiger Sperrung und Ampelregelung sind akut vom Aussterben bedroht. „Die neue Arbeitsschutz-Richtlinie legt Mindestabstände zwischen dem fließenden Verkehr und der Baustelle fest, die eine fahrstreifenweise Erneuerung fast nicht mehr ermöglichen“, erklärte Mathias Wagner, Abteilungsleiter des Landesamtes für Straßen und Verkehr (Lasuv), auf dem jüngsten Fernfahrerstammtisch des Autobahnpolizeireviers Bautzen. Die Konsequenz daraus: „Fast bei jeder Straßensanierung wird es künftig eine Vollsperrung geben.“ Ging man bislang bei einer Straßenbreite von 6,50 Metern davon aus, dass für die Baustelle ausreichende 3,25 Meter Breite zur Verfügung stehen, so reduziert sich diese nach der neuen Berechnungsweise auf weniger als zwei Meter, wie das Internet-Fachportal rsa-online.de vorrechnet. Selbst bei Straßenbreiten über acht Meter sei die Einhaltung des Mindestabstandes problematisch. Freilich stellt die Neuregelung keine Schikane der Autofahrer dar, sondern dient der Sicherheit der Straßenbauarbeiter: Laut Berufsgenossenschaft Bau kamen innerhalb von vier Jahren 20 Arbeiter bei Unfällen im Baustellenbereich ums Leben, 37 wurden schwer verletzt.

Bei Bauarbeiten auf Autobahnen freilich gelten andere Regularien – hier bemüht sich das Lasuv, die ursprüngliche Anzahl der Spuren auch unter Baustellenbedingungen aufrechtzuerhalten. „Auf der Bundesautobahn 4 östlich von Dresden haben wir seit 2012 etwa 60 Prozent der Fahrbahn erneuert, sodass dieser Streckenabschnitt nicht mehr zu unseren Sorgenkindern zählt“, erklärt Mathias Wagner. Freilich weiß der Abteilungsleiter auch, dass es gerade 2015 eine Häufung von Autobahnbaustellen gab, die bei vielen Autofahrern für Unmut sorgte. „Bei der Planung sind wir von vielen Prämissen abhängig und bemühen uns, die Behinderungen so gering wie möglich zu halten“, versichert er. Allerdings erreichten die größtenteils in den Neunzigerjahren gebauten Fahrbahnen die Grenzen ihrer Nutzungsdauer und müssten peu a peu erneuert werden. „In diesem Jahr wurde die Situation insbesondere im Bereich Burkau durch Baustellen im untergeordneten Straßennetz erschwert, wodurch es doch zu teilweise massiven Behinderungen kam“, räumt Mathias Wagner ein. Hinsichtlich der Sanierung der Anschlussstellen Burkau, Uhyst und Salzenforst habe man die ursprünglich geplante Reihenfolge geändert, um „riesige Umleitungen zu vermeiden.“ Im Großen und Ganzen jedoch habe man die Situation gut bewältigt. Ein Nachtbau scheitere vor allem an den nicht vorhandenen Kapazitäten der Baufirmen dafür.

Wagner will auch weiterhin an „langen Bauabschnitten festhalten, auch wenn dies manchmal auf Kritik stößt. Doch für jeden neuen Abschnitt muss die Baustelle eingerichtet und wieder abgebaut werden, was die größten Behinderungen verursacht.“ Für 2016 sind die Fahrbahnerneuerung in Richtung Dresden zwischen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla sowie die Erneuerung der Überholspur zwischen Uhyst und Bautzen-West vorgesehen. Letzteres soll innerhalb der Schulferien mit einer „bislang selten praktizierten Verkehrsführung“ geschehen, die für mehr Flexibilität sorgt.

 

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