Nachhilfe für die Retter des Abendlandes

Im Bibelland Oberlichtenau ist ab dem 20. Mai eine der bedeutendsten deutschen Bibelsammlungen zu sehen. Sie findet hier ihr dauerhaftes Domizil.

Oberlichtenau. Maik Förster hat einen Coup gelandet: Es ist dem bekannten „Bibelgärtner“ gelungen, eine der bedeutendsten Ausstellungen zur Geschichte der Heiligen Schrift nach Oberlichtenau zu holen. Unter dem Titel „Von Kanaan nach Sachsen – Expo Testamente“ wird das Lebenswerk des Publizisten und Bibelforschers Francois Traudisch ab dem 20. Mai (Beginn der Eröffnungsveranstaltung: 14.00 Uhr) im Bibelland des cv-aktiv Reisedienst e.V. gezeigt.

„Wie so oft im Leben hat dabei das Glück eine große Rolle gespielt“, bekennt Maik Förster. Beim Kaffee habe er in Griechenland mit einem Pfarrer aus dem nordrhein-westfälischen Waldbröl zusammengesessen, der ihm von der Ausstellung berichtete. „Sie sei von einem 85-Jährigen zusammengetragen worden, der jetzt nach einem dauerhaften Domizil für die – wie er sie selbst nenne – ‚Mutter aller Bibelausstellungen‘ suche.“ Also nahm Förster Kontakt zu der Familie von Francois Traudisch auf und einigte sich mit ihr. Und so kam es, dass die Exposition ab dem 20. Mai dauerhaft im Bibelland Oberlichtenau zu sehen sein wird.

Maik Förster – hier mit dem Faksimile einer Qumran-Schriftrolle – freut sich, eine der bedeutendsten Bibelsammlungen Deutschlands nach Oberlichtenau geholt zu haben.

„Diese Ausstellung stellt eine optimale Ergänzung unseres bisherigen Angebotes dar“, freut sich der Oberlichtenauer Bibelgärtner. Spielen doch die Bibel und die Geschichten, die sich um die Entstehung der Heiligen Schrift des Christentums ranken, seit der Gründung im Jahre 2005 die zentrale Rolle im Bibelgarten oder – so die neuere Bezeichnung – Bibelland. Im Laufe der Jahre kreierten Maik Förster und seine Mitstreiter immer neue Angebote: Von der Weinkelter bis zum Felsengrab, von der Byzantinischen Basilika bis zum Israelitischen Altar vermittelt das Bibelland einen authentischen Einblick in die Lebenswelt des Alten und Neuen Testaments.

Nun also die Traudisch-Ausstellung. Francois Traudisch trug seit 1969 die wohl umfassendste und vollständigste Sammlung zur Bibelgeschichte im deutschsprachigen Raum zusammen. Sie enthält für Maik Förster „sensationelle Dinge“ – beispielsweise ein Modell der Essener-Siedlung Qumram, in der die berühmten gleichnamigen Schriftrollen entdeckt wurden – zu ihnen zählen die bislang ältesten bekannten Bibelhandschriften. „Das Modell stellt das Original sehr treffend dar“, urteilt Maik Förster, der das natürliche „Vorbild“ aus mehrmaliger eigener Anschauung kennt. Ein Faksimile – also eine originalgetreue Nachbildung – lagert in einem Tontopf, so wie es auch bei den echten Rollen der Fall war. Von Qumran spannt sich der zeitliche Bogen über Gutenberg – dessen Erfindung des Buchdrucks erst die weite Verbreitung ermöglichte – bis hin zu Chagall, der sich ebenfalls an der Heiligen Schrift versuchte.

„Ich freue mich sehr, dass es gerade in der heutigen Zeit gelungen ist, diese Ausstellung nach Sachsen zu holen“,

bekennt Maik Förster. Werde doch oftmals in politischen Sonntagsreden postuliert, dass das Abendland gerettet werden müsse. „Viele, die so etwas sagen, haben gar keine Ahnung, was das Abendland eigentlich darstellt und was seine Wurzeln bildet.“ Förster selbst reist mehrmals im Jahr mit Reisegruppen nach Israel und zu anderen biblischen Schauplätzen. Wenn jemand in der Lage ist, eine authentische Verbindung zwischen Original und Replik herzustellen, dann er.

Bis zum Eröffnungstag soll auch eine weitere neue Attraktion – das kretische Labyrinth – fertiggestellt und begehbar sein. Mit 40 000 Euro eine beachtliche Investition – in noch größerem Maße trifft dies auf die Erneuerung des Scheunendachs zu, die 137 000 Euro gekostet hat (der Eigenanteil betrug 35 000 Euro). Für die kommenden Jahre liegt der Schwerpunkt im Bibelland laut Maik Förster im Erhalt des bereits Geschaffenen. Keine leichte Aufgabe – steht das in der Vergangenheit gern genutzte Instrument der ABM-Beschäftigung doch nicht mehr zur Verfügung. „Der Mindestlohn macht vieles, was uns in der Vergangenheit geholfen hat, unmöglich. Auf der anderen Seite erschwert er die Integration von Menschen mit Handicap in den Arbeitsmarkt“, hadert der Bibelgärtner mit der Politik. Gute Erfahrungen hingegen hat er in den letzten Jahren mit Straftätern gemacht, die zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurden und diese im Bibelland ableisten.

(erschienen in Oberlausitzer Kurier und Lausitzer Rundschau im Mai 2017)

 

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