Osterreiten, Eierschieben und noch viel mehr

Bautzen will Touristen zur Osterzeit mehr bieten als bisher. Viele Akteure beteiligen sich daran. Doch es gibt auch Sand im Getriebe.

Bautzen. Ostern in Bautzen – läuft. „Auch in diesem Jahr sind die Hotels und Pensionen wieder komplett ausgebucht“, freut sich Dietmar Stange. Also lehnen sich der Vorsitzende des Bautzener Tourismusvereins und seine Mitstreiter entspannt zurück und reiben sich die Hände?

Keineswegs. Denn: „Wir haben keinen Grund, uns auf dem Erreichten auszuruhen, sondern müssen uns weiterentwickeln.“ Und deshalb hat der Tourismusverein zusammen mit zahlreichen Partnern ein buntes Programm „gestrickt“, das den Besuchern möglichst viele Facetten der heimlichen „Osterhauptstadt“ Deutschlands nahebringen soll. „Natürlich stehen weiterhin die österlichen Traditionen – also vor allem das Osterreiten – im Vordergrund“, wie Dietmar Stange versichert. Dieses werde man auch nicht „eventisieren.“ „Doch der Aus- und Einritt der Osterreiter dauert insgesamt etwa eine Stunde. Für das Eierschieben auf dem Protschenberg kommen noch mal ein bis zwei Stunden dazu. Dazwischen und auch am Tag davor gibt es viel freie Zeit, für die wir unseren Gästen Angebote unterbreiten wollen.“

Foto: Archiv

Und so reihen sich am Ostersonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr die „Osterpforten“ wie Perlen an einer Kette aneinander. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Alten Wasserkunst, dem (frisch restaurierten) Reichenturm, dem Stadt- und dem Sorbischen Museum sowie dem Dom St. Petri befinden sich auch mehrere Geheimtipps darunter. Dazu zählen der Schülerturm, das Gersdorffsche Palais, die Rolling-Stones-Ausstellung und das Schuhmachermuseum. Am besten verbinden lassen sie sich durch einen klassischen Osterspaziergang frei nach Goethe, vorbei an den vielfarbig blühenden Talhängen der Spree und durch die festlich geschmückte Altstadt. Eine Scharnierfunktion zwischen dem Protschenberg als Schauplatz des Eierschiebens und der Innenstadt kommt der im Stadtteil Seidau an der Spree gelegenen Hammermühle zu, die nach liebevoller Restaurierung seit einigen Jahren wieder von Leben erfüllt ist und mit einem österlichen Markt für regionale Produkte aufwartet. Bereits am Ostersamstag gibt es einen österlichen Frühlingsmarkt auf dem Hauptmarkt rings um den festlich geschmückten Osterbrunnen (ein zweiter befindet sich auf dem Fleischmarkt). Geschäfte und Gaststätten laden zum Einkauf und zur Einkehr, und auf dem Kornmarkt gibt es einen „Verweiltreff“ mit vielen Mitmachangeboten.

 

 

 

„Kornmarkt“ – war da nicht was? Dietmar Stange und seine Mitstreiter haben sehr wohl auch das Image der Stadt Bautzen im Blick, welches nach den Vorkommnissen im letzten Jahr auf eben jenem zentralen Platz enormen Schaden genommen hatte. „Wir bespielen diesen Platz ganz bewusst, damit er nicht für andere Zwecke missbraucht werden kann“, betont der Vereinsvorsitzende. Dem Tourismus selbst haben die Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und „besorgten Bürgern“, die Bautzen weltweit in die Schlagzeilen brachten, offenbar nicht nachhaltig geschadet: „Es gab Prognosen für einen spürbaren Abbruch der Besucherzahlen, die nicht eingetreten sind. Allerdings verspüren wir auch keine Entwicklung nach vorn“, resümiert Dietmar Stange.

„In Bautzen dagegen gibt es eher ein Neben- als ein Miteinander der Akteure.“

Anders als in Görlitz, das von Rekord zu Rekord eilt. Woran fehlt es dafür in Bautzen? „Die Akteure hier leisten jeder für sich eine gute Arbeit, aber sie ziehen zu wenig am selben Strang“, beantwortet der Vorsitzende diese oft gestellte Frage. In Görlitz sei das Tourismusmarketing, das Stadtmarketing überhaupt, „aus einem Guß“, was der Bündelungsfunktion der Europastadt GmbH zu verdanken sei. „In Bautzen dagegen gibt es eher ein Neben- als ein Miteinander der Akteure.“ Ein Zustand, den Dietmar Stange gern ändern möchte – die nächsten Jahre werden zeigen, mit welchem Erfolg. Damit nicht nur Ostern in Bautzen läuft.

Kommentar:

Miteinander statt Nebeneinander

Was hat Görlitz, das Bautzen nicht hat? Diese Frage wurde im Hinblick auf die höchst unterschiedliche Entwicklung des Tourismus in beiden Städten schon oft gestellt. Den Ansatz für eine Erklärung bietet vielleicht folgende Episode: Am Dienstag vergangener Woche verschickte der Tourismusverein eine Einladung zum Pressegespräch über das diesjährige Osterfest. Einen Tag später kam aus der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft eine ebensolche zur Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes im Saurierpark Kleinwelka. Justament für den gleichen Termin. Der Adressat rieb sich im ersten Moment erstaunt die Augen und überlegte im zweiten Moment: Worüber wundern wir uns eigentlich, wenn es die städtische Gesellschaft noch nicht einmal fertigbringt, ihre Pressetermine mit denen ihrer Partner abzustimmen? Miteinander statt Nebeneinander – offenbar ist auf diesem Weg noch viel Arbeit nötig.

(erschienen in der Lausitzer Rundschau am 10. April 2017)

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