Wenn die Liebe nach Rothenburg kommt

Studenten der Filmuniversität Babelsberg drehen ihren Abschlussfilm in der ostsächsischen Provinz. Woanders haben sie schon große Ehren erfahren.

Rothenburg. Görlitz ist weit über die Grenzen der Region hinaus als Görliwood bekannt. Renommierte Regisseure aus der ganzen Welt geben sich hier die Klinke in die Hand, insbesondere, weil sie der in vielen Ecken noch vorhandene morbide Charme vergangener Jahrhunderte fasziniert und ihnen passende Kulissen liefert.

Rothenburg – wohl gemerkt das an der Neisse – hat in dieser Hinsicht bislang eher wenig von sich reden gemacht. Doch das soll sich jetzt ändern: Vom 16. Juli bis zum 2. August kommt ein etwa 20-köpfiges Team von Studenten der Filmuniversität Babelsberg hierher, um einen Abschlussfilm zu drehen. Eben jene Studenten haben bereits für Furore gesorgt: Ihre Produktion „Ela – Skizzen zum Abschied“ gewann beim Dresdner Filmfest 2017 den „Goldenen Reiter“ für den besten Kurzfilm und wurde zum Filmfestival nach Cannes eingeladen.

Jetzt also „Liebe“ – auf diesen ebenso kurzen wie prägnanten Namen hört das neueste Projekt der jungen Filmemacher um Regisseur Oliver Adam Kusio, Producer Simon Stein und Kameramann Marco Müller. Darin geht es laut Exposé um den „alternden Pfandleiher Janusz, der eines Tages vom Tod seiner Exfrau Judith erfährt und dem die Aufgabe zukommt, ihre Beerdigung organisieren. Dazu muss er in das Heimatdorf der Verstorbenen in die ostdeutsche Provinz reisen, wo längst vergessen geglaubte Ereignisse ans Tageslicht kommen.“ Dabei begleitet ihn Irena – „eine junge Frau, die Janusz Geborgenheit und körperliche Nähe bietet und die er im Gegenzug finanziell unterstützt.“ Irena fragt sich bald, „ob Janusz sie nur benutzt, um sich von den Geistern der Vergangenheit zu befreien.“ Das Ganze ergibt – so die Selbstdarstellung – einen „Film über Liebe und Schuld.“

Oliver Adam Kusio (li.), Marco Müller; Foto:PR

Warum nun aber ausgerechnet Rothenburg? „Wir haben uns die Suche nach einer geeigneten Location für unseren Film nicht leicht gemacht und Recherchefahrten durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unternommen“, berichtet Producer Simon Stein. Von einer bestimmten Vorstellung geleitet, wollten sich die Filmleute aber auch „von den Orten selbst inspirieren lassen.“ Und in Rothenburg und den Dörfern in der Umgebung sprang der Funke über: „Diese Orte haben so eine Mystik, die auch dem Film etwas geben kann“, versucht es der studentische Producer zu erklären. Auch die Nähe zur polnischen Grenze habe eine Rolle gespielt: „Grenzorte erzählen schon beim Durchfahren mehr Geschichten“, meint Simon Stein. Den preisgekrönten Film „Ela“ hat das Team bereits in Polen gedreht. Doch nicht nur der allgemeine Eindruck hat eine Rolle gespielt, sondern auch das Auffinden von ganz konkreten Drehorten: Eine Wohnung in einem leer stehenden Haus in Lodenau, eine Dorfkirche, der „Preußische Hof“ in Rothenburg… „In und um Rothenburg haben wir in kurzer Entfernung alles gefunden, was wir brauchen“, so Simon Stein.

„In und um Rothenburg haben wir in kurzer Entfernung alles gefunden, was wir brauchen“

Und so kommt es nun, dass die frühere preußische Kreisstadt bald für zwei Wochen zu „Klein-Görliwood“ wird. Ebenso wie Quentin Tarantino oder Wes Anderson in Görlitz, so benötigen auch Oliver Adam Kusio und sein Team in Rothenburg die Unterstützung der Einheimischen. „Wir sind bereits mit vielen verschiedenen Personen in der Umgebung in Kontakt, um Drehmotive, Übernachtungen oder Verpflegung zu organisieren und bereits jetzt sehr dankbar für die Unterstützung, die wir vor Ort erhalten“, betont Simon Stein.

(erschienen im Juli 2017 in der Lausitzer Rundschau und im Niederschlesischen Kurier)

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