Kaolinwerk will über die B 96 springen

Hinweis: Dieser Beitrag stammt vom August 2016 und entspricht möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Stand. er wurde hier als Referenz veröffentlicht.

Neue mögliche Abbaustätte für 25 Jahre gefunden/Genehmigung dauert bis zu fünf Jahre

Königswartha. Die Kaolinwerk Caminau GmbH ist bei ihrer Suche nach einer neuen Lagerstätte fündig geworden. Wie Werksleiter Helmut Struchtrup erklärt, lagern in unmittelbarer Nähe der bisherigen Abbaustätte, allerdings auf der anderen Seite der Bundesstraße 96 große Mengen an hochwertigem Kaolin. Nunmehr wolle man sich auf die Erschließung dieses Vorkommens konzentrieren.

Die bisher genutzte Lagerstätte reicht nur noch für circa zehn Jahre.

So viel dürfte sicher sein: Das Gebiet um die Rosenthaler Kirche (Gemeinde Ralbitz-Rosenthal) bleibt unangetastet. Nirgendwo sonst war die Kaolinwerk Caminau GmbH bei ihrer Suche nach möglichen neuen Lagerstätten auf so heftigen Widerstand gestoßen. Bürger, Politiker und die Geistlichkeit hatten sich zusammengefunden, um gegen die ihrer Meinung nach drohende Zerstörung der sorbisch-katholischen Wallfahrtsstätte zu protestieren. Doch auch anderenorts stieß die Erkundung auf wenig Begeisterung. Sie erstreckte sich neben Rosenthal auf Gebiete der Gemeinden Neschwitz, Radibor, Großdubrau (Kreis Bautzen) und Hohendubrau (Kreis Görlitz). Dabei machte die Firmenleitung von Beginn an keinen Hehl daraus, dass ihr ein direkter Anschluss an die bereits vorhandene Abbaustätte in der Nähe des Königswarthaer Ortsteils Caminau am liebsten wäre. „Schließlich befindet sich hier unsere Aufbereitungsanlage, die wir nicht einfach umsetzen können“, hatte Helmut Struchtrup bereits zu Beginn der Suchkampagne erklärt. Ab einer Entfernung von 15 Kilometern sei ein Neuaufschluss „wirtschaftlich grenzwertig.“

Das Auffinden eines neuen Abbaufeldes ist für den langfristigen Fortbestand des Kaolinwerkes überlebenswichtig. Schließlich reichen die Vorräte des bislang genehmigten Feldes nur noch für etwa zehn Jahre – „das bietet uns keine Perspektive.“ Die jenseits der B 96 aufgrund der Probebohrungen vermuteten Vorräte würden den Fortbestand für weitere 25 Jahre sichern. „Wir erwarten dort 15 bis 18 Millionen Tonnen Roherde mit einem Gehalt von 30 Prozent Kaolin von guter Qualität“, so Helmut Struchtrup. Freilich könne man aufgrund der bisherigen Bohrungen nur grob schätzen. „Deshalb werden wir in den kommenden zwei Jahren eine Rasteruntersuchung mit 100 Bohrungen in regelmäßigen Abständen auf einem Gebiet von 120 Hektar vornehmen“, wie der Werksleiter erklärt. Damit könne man die Form und Mächtigkeit des Vorkommens genau bestimmen.

Diese Daten benötigt das Unternehmen auch für die parallel dazu ablaufende Genehmigungsphase. „Wir rechnen mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren, bis wir die Genehmigung in den Händen halten“, so Helmut Struchtrup. Dabei werde es hauptsächlich um naturschutzrechtliche Belange gehen, haben doch Teilflächen den Status eines FFH-Gebietes. Mit großem Widerstand vonseiten der Bevölkerung rechnet der Werksleiter nicht: „Das Aufschlussgebiet befindet sich fernab der Bebauung, auch Kulturgüter sind nicht in der Nähe.“ Mit den Genehmigungen der Grundstückseigentümer für die zusätzlichen Bohrungen gebe es keine nennenswerten Schwierigkeiten. Der Werksleiter verhehlt auch nicht, „dass der Verkauf an uns die Flächen für die Eigentümer wertvoller macht als die Ackernutzung.“

Eine Erweiterung der vorhandenen Kaolingrube auf deren östlicher Seite schließt Helmut Struchtrup hingegen aus. „Dort gibt es zwar auch noch Kaolin, aber nur von minderwertiger Qualität. Es ist zu dunkel, um es in der Papierherstellung verwenden zu können.“ Überhaupt stoße man in der Oberlausitz fast überall auf Kaolin, allerdings selten in der benötigten Beschaffenheit.

(erschienen am 25. August 2016 in der Lausitzer Rundschau)

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