Züge rollen wieder von Horka nach Polen

An der Niederschlesischen Magistrale geht es voran: Nachdem bereits im Jahre 2014 der Bahnhof Knappenrode fertiggestellt wurde, nahmen die Deutsche Bahn AG und die Polnische Bahn am Mittwoch den ersten Streckenabschnitt zwischen der Staatsgrenze und dem Güterbahnhof Horka in Betrieb. Auf einem anderen Teilstück hingegen stockt es noch.

Halb Horka hat sich an diesem Tag auf den Weg zum Güterbahnhof gemacht. Für das bereits seit mehr als einem Jahrhundert eng mit der Eisenbahn verbundene Dorf in der Nähe von Niesky ist es ein großer Tag: Der Tag, an dem die Bahnverbindung nach Polen wieder zum Leben erwacht. Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass einer der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto gekommenen Schaulustigen jemals selbst mit diesem Zug über die Grenze fährt: Handelt es sich doch bei dem Abschnitt zwischen Horka und dem benachbarten Bielawa Dolna um eine reine Güterverkehrstrasse. Und zwar nicht um irgendeine, sondern um einen Teil des „Paneuropäischen Korridors III“, der von der Nordsee bis ins Baltikum führt. Also um eine der wichtigsten Achsen, auf denen die europäischen Warenströme zukünftig transportiert werden sollen.

97_nsm1

Und so wird der Triebwagen, der am Mittwoch symbolisch die circa acht Kilometer zwischen Bielawa Dolna und Horka zurückgelegt hat, wohl auf absehbare Zeit der einzige Personenzug auf der Strecke bleiben. „Gemeinsam haben die Polnische Bahn und die Deutsche Bahn dafür gesorgt, dass die Bauarbeiten an den Gleisen und der Signaltechnik termingerecht abgeschlossen werden“, würdigt Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG, den Fortgang der Arbeiten. Durch den Lückenschluss bleibt den Güterzügen auf dem Weg beispielsweise von Berlin nach Breslau fortan die circa 55 Kilometer lange Umleitung über Görlitz erspart. Die Entfernung zwischen Horka und dem nächst gelegenen regulären polnischen Bahnhof Wegliniec beträgt nur circa 22 Kilometer.

„Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember rollen wieder zwanzig Güterzüge am Tag über die beiden Gleise“, so der Projektverantwortliche der Deutschen Bahn für das Bauvorhaben, Ulrich Mölke. Allerdings zunächst noch im Dieselbetrieb, obwohl die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Einsatz von Elektrozügen vorhanden sind: „Die neu errichtete Oberleitungsanlage setzen wir erst zur Gesamtinbetriebnahme der gesamten Ausbaustrecke im Dezember 2018 unter Strom“, so Ulrich Mölke.

„Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember rollen wieder zwanzig Güterzüge am Tag über die beiden Gleise“

Dies ganz einfach deshalb, weil die benötigte Energie in einem Umrichterwerk in Lohsa, also ziemlich am anderen Ende der Strecke, erzeugt wird. Und zwischen Lohsa und Horka liegen knapp 45 Kilometer, auf denen emsig gebaut wird – oder auch noch nicht: „Für den Abschnitt 2B, der von Niesky bis Horka führt, warten wir noch immer auf den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes“, wie Angelika Britz, Pressesprecherin der Deutschen Bahn AG für Großprojekte, auf Anfrage mitteilt. Ursprünglich war dieser bereits vor einem halben Jahr erwartet worden. Noch, so die Sprecherin, ist die Terminkette für den Abschluss des Gesamtvorhabens jedoch nicht in Gefahr. Auf dem mit Abstand größten Abschnitt – den etwa 37 Kilometern zwischen Lohsa und Niesky – geht es hingegen „heiß her“: Nachdem im Sommer die alten Gleise entfernt worden waren, läuft jetzt der Neuaufbau auf Hochtouren. Währendessen war auch die Polnische Bahn nicht untätig: Sie errichtete eine neue, fast 150 Meter lange Brücke über die Neiße, deren offizielle Einweihung ebenfalls am Mittwoch gefeiert wurde.

97_nsm2

Ob das Teilstück von Knappenrode nach Horka auch künftig für den Personenverkehr zwischen Hoyerswerda und Görlitz zur Verfügung steht, bedarf noch der abschließenden Klärung. Seitdem die Bauarbeiten laufen, ruht dieser Verkehr und wird durch Ersatzbusse übernommen. Nur eine Interimslösung – darüber herrschte zwischen allen Beteiligten Einigkeit. Umso größer war dann das Unverständnis über die Planspiele, den Personenzugverkehr gar nicht erst wieder aufzunehmen, weil dafür nicht ausreichend Geld zur Verfügung stehe. Durch noch nachträglich vom Freistaat Sachsen bereitgestellte sieben Millionen Euro sieht zumindest der Landtagsabgeordnete Thomas Baum (SPD) diese Kuh vom Eis geholt. Der für den Nahverkehr zuständige Verkehrsverbund Zvon gibt sich in dieser Hinsicht noch zurückhaltender und will das Geld erst im Haushalt bereitgestellt sehen, bevor er sich abschließend dazu äußert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hinweis: Unsere vollständige Datenschutzerklärung finden Sie im Menüpunkt Datenschutz. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an kontakt@redaktionsbuero-menschner.de widerrufen.